Werkssegmentierung in komplexen Produktionsnetzwerken


Wie kann eine wirtschaftlichere und strategischere Rollenverteilung der Standorte erreicht werden?

Wie können die Produkte bzw. die Produktionsschritte einem Werk sinnvoll zugewiesen werden?

Was ist bei der Neuausrichtung der Standortrollen zu beachten?

Wie trägt die Segmentierung zu einer besseren Flexibilität und Wandlungsfähigkeit bei?


Im aktuellen Kontext muss jedes Unternehmen sich so gestalten, dass es sich agil, adaptiv und antizipativ (Triple A) auf die Erfordernisse der Zukunft einstellen kann. Um die Marktchancen greifen und die Marktrisiken beseitigen zu können (SWOT-Analyse), muss jeder ein flexibles und transparentes Produktionssystem umsetzen. Dafür kann die Segmentierung eine entscheidende Rolle spielen.

Im Rahmen einer Footprint-Analyse oder einer werksübergreifenden Fabrikplanung, stellt sich oft die Frage der Werkssegmentierung: wo sollten welche Produkte bzw. Tätigkeiten hergestellt bzw. durchgeführt werden? Wie kann der Unternehmen von einer Neudefinition der Standortrollen profitieren? Überlegungen über die Segmentierung der Produktion können auch innerhalb eines Werksangestellt werden: die Analyse wird dadurch leicht vereinfacht.

Die folgenden Segmentierungsprinzipien sind denkbar und üblich in der Industrie und müssen je nach Situation im Hinblick auf die Ziele und Produktionsprämissen analysiert werden. Sie bringen jeweils unterschiedliche strategische und wirtschaftliche Vorteile.

Die gegebenen Beispiele sind eine mögliche Aufteilung der Produkte bzw. Produktionstätigkeiten für zwei fiktive Werke (Werk A vs. Werk B).

Segmentierung nach Technologie
Segmentierung nach Produktgruppe
Segmentierung nach Absatzmarkt
Segmentierung nach Lohnkosten
Segmentierung nach Produktlebenszyklus
Segmentierung nach Volumen
Segmentierung nach Automatisierungsgrad
Inhalte einer Segmentierungsanalyse

Segmentierung nach Technologie:

Der Vorteil dieses Segmentierungsprinzips besteht darin, dass die Ressourcen für ähnliche Technologie gebündelt werden können und dass die Werke sich auf eine bestimmte Technologie spezialisieren können. Diese Fokussierung auf eine Technologie hat einen positiven Einfluss auf die Qualität und Know-How im Werk. Die Materialflussintensität (Transportaufwand) ist allerdings höher als bei den anderen Segmentierungen.

Zum Beispiel:

Segmentierung nach Produktgruppe:

Der Vorteil dieses Segmentierungsprinzips besteht darin, dass die Prozesskette pro Produkt komplett in einem Werk abgebildet werden kann und dass die Infrastruktur (Lager, Vorrichtungen, Arbeitsplatz) für Produkte mit i.d.R ähnlicher Geometrie/ Größe angepasst werden kann. Diese Organisation bietet eine hohe Transparenz und eine vereinfachte Produktionssteuerung.

Zum Beispiel:

Segmentierung nach Absatzmarkt:

Der Vorteil dieses Segmentierungsprinzips besteht darin, dass jedes Werk sich auf die Anforderungen eines Markts (z.B. Normen) fokussieren kann und seine Kunden direkt beliefern kann. I.d.R. ist jedes Werk auch räumlich näher zu seinem Markt als die anderen, damit die Transportkosten reduziert werden können.

Zum Beispiel:

Segmentierung nach Lohnkosten:

Der Vorteil dieses Segmentierungsprinzips besteht darin, dass die Produkte/ Komponente mit einer niedrigen Komplexität geringere Herstellkosten verursachen, da die Qualifikationen bzw. die Lohnkosten in einem Werk niedriger sind. Eine günstigere Lohnsituation kann mit Werken in Niedriglohnländer oder unterschiedliche Tarifverträge je nach Werken erreicht werden. Die „komplexen“ Produkte, die mehr Qualifikationen erfordern, werden allerdings höhere Lohnkosten verursachen.

Zum Beispiel:

Segmentierung nach Produktlebenszyklus:

Der Vorteil dieses Segmentierungsprinzips besteht darin, dass die Werke sich auf unterschiedliche Phase des Produktlebenszyklus fokussieren können. Das Werk, das die Einführungs- und Wachstumsphase betreut, hat eine engere Abstimmung mit der Entwicklung und erfordert mehr Fachexperten/ Qualifikationen und das Werk, das die Reife-/ Sättigungsphase betreut, erfordert weniger Qualifikationen.

Zum Beispiel:

Segmentierung nach Volumen:

Der Vorteil dieses Segmentierungsprinzips besteht darin, dass ein Werk größere Volumen mit einer geringeren Produktvarianz herstellt damit Optimierungen (wie z.B. Automatisierung) und eine Standardisierung der Prozesse stattfinden können.

Zum Beispiel:

Segmentierung nach Automatisierungsgrad:

Der Vorteil dieses Segmentierungsprinzips besteht darin, dass die erforderlichen Kompetenzen bzw. Qualifikationen für die Automatisierung in einem Werk ansässig sind. Die Zentralisierung der Fachexperten hat einen positiven Einfluss auf das Know-How im Bereich der Automatisierung.

Zum Beispiel:

Die erwähnten Segmentierungsprinzipien können teilweise kombiniert werden, wenn die Ziele ähnlich sind. Zum Beispiel sind eine Segmentierung nach Volumen und eine Segmentierung nach Automatisierungsgrad i.d.R verbunden da die Automatisierung eher für die hohen Volumen sich lohnt. Im Gegenteil sind manche Segmentierungsprinzipien antithetisch, wie zum Beispiel eine Segmentierung nach Technologie und eine Segmentierung nach Produktgruppe.

Um eine Segmentierungsanalyse zielgerichtet und methodisch durchzuführen sind die folgenden Arbeitspakete zu erarbeiten.

Inhalte einer Segmentierungsanalyse:

  1. Zieldefinition
  2. Definition der sinnvollen Varianten
  3. Strategische Analyse und Vergleich der Varianten (weiche bzw. qualitative Faktoren)
  4. Wirtschaftliche Analyse und Vergleich der Varianten (Investition, Kosten und Einsparungen)
  5. Risikoanalyse und -vergleich der Varianten
  6. Auswahl der präferierten Variante
  7. Definition von Gegenmaßnahmen für die identifizierten Risiken
  8. Umsetzungsplanung

Die Analyse der geeigneten Segmentierung richtet sich nach den Unternehmenszielen & -strategie und ist stark von dem Produktportfolio und den Produktionsprozessen abhängig: ein tiefes Verständnis der Prozesse sowie eine gute Kenntnis des industriellen Umfelds sind deswegen erforderlich. ifp consulting unterstützt die mittelständischen Unternehmen bei der kompletten Analyse einer neuen Segmentierung und liefert eine ganzheitliche Empfehlung für die Zukunft seiner Partner.

Eine neue Segmentierung ist, wie alle Fabrikplanungen, eine einmalige Chance, schlankere und rationalisierte Prozesse umzusetzen, sowie manchmal einen neuen Tarifvertrag einzuführen. Die Segmentierungsanalyse ist deshalb immer der Basispunkt für die Neudefinition der Produktions- und Logistikprozesse.